gelber wolkenkuchen · gâteau nuage jaune
zitrone · mohn · kardamom · vegan & glutenfrei
ein kuchen wie eine wolke.
gelb besitzt kaum schwere. es steht dem licht nahe und wird vom menschlichen auge besonders schnell wahrgenommen. es tritt hervor, wird sichtbar, breitet sich aus. in der chinesischen medizin gehört gelb zur erde, zur mitte, zu milz und magen – zu jener wandlungsphase, in der aus dem, was wir aufnehmen, etwas für den eigenen körper entsteht. die zitrone bringt eine andere bewegung hinein. ihre säure zieht zusammen, ihr duft steigt auf und breitet sich aus. schon beim anschneiden verändert sie einen raum. ein großer teil ihrer aromatischen kraft sitzt in den ätherischen ölen der schale. deshalb gehört der abrieb für mich genauso zu diesem kuchen wie ihr saft.
mohn setzt dem gelb kleine dunkle punkte entgegen. die samen des schlafmohns, papaver somniferum, sind seit jahrtausenden lebensmittel und kulturpflanze. in der chinesischen materia medica findet sich yīng sù ké – damit sind allerdings die getrockneten reifen fruchtkapseln gemeint, nicht die mohnkörner unseres kuchens. kulinarisch bringt der samen etwas erdiges, nussiges und beinahe mineralisches in die helle säure der zitrone.
kardamom öffnet noch eine weitere richtung: warm, ätherisch, leicht scharf und zugleich süß. sein aroma bleibt lange im mund. so treffen in diesem kuchen hell und dunkel, säure und wärme, erde und luft aufeinander.
auch seine form entsteht aus diesen verschiedenen kräften. reismehl und mandel geben körper. pflanzenmilch und öl halten ihn weich. zitrone bringt säure. natron und backpulver bringen luft. beim backen wird aus der feuchten masse ein gewebe aus unzähligen kleinen hohlräumen.
ein kuchen wie eine wolke ist also weniger metaphor, als man zunächst denkt.
form trägt qualität. hier entsteht eine form, die luft halten kann.
zutaten · für eine kleine kastenform, 20–22 cm
trockene zutaten
180 g reismehl
50 g gemahlene mandeln
30 g speisestärke
100 g birkenzucker
1 tl backpulver
½ tl natron
1 el mohn
1 tl kardamom
abrieb von 2 bio-zitronen
flüssige zutaten
90 ml zitronensaft, etwa 2–3 zitronen
160 ml pflanzenmilch
2 el mandelmus oder nussmus nach wahl
80 ml neutrales öl
1 tl apfelessig
streusel
50 g reismehl
30 g gemahlene mandeln
30 g mohn
40 g birkenzucker
abrieb von ½ bio-zitrone
40 g kalte pflanzliche butter oder kokosöl
sirup
4 el zitronensaft
2 el ahornsirup
1 tl mandelmus
zubereitung
den backofen auf 175 °c ober-/unterhitze vorheizen und die kastenform mit backpapier auslegen. die trockenen zutaten miteinander vermischen. die flüssigen zutaten separat gründlich verrühren und anschließend unter die trockene mischung heben. nur so lange rühren, bis ein gleichmäßiger, cremiger teig entstanden ist. den teig in die form geben. für die streusel alle zutaten mit den fingern zu einer krümeligen masse verbinden und darüber verteilen.
etwa 45–50 minuten backen. nach ungefähr 30 minuten locker mit backpapier abdecken.
zitronensaft, ahornsirup und mandelmus für den sirup glatt rühren. den noch warmen kuchen mehrfach einstechen und langsam damit beträufeln. vollständig auskühlen lassen.
und dann zeigt sich, was zitrone, luft und zeit miteinander gemacht haben.
avec fréquence d’amour jaune, Stefanie